Finnischer Tango – Das Duo Lehtojärven Hirvenpää in Bochum

Finnischer Tango im Trauzimmer der Marina, das Duo Lehtojärven Hirvenpää singt vom „unstillbaren Hunger nach Leben“.

Das stand als Titel im Hellweger Anzeiger, Bergkamen.
Der Redakteur Klaus-Dieter Hoffmann beschrieb das Konzert, das am 21.10.19 stattfand und hier auszugsweise wiedergegeben wird:

Sie kamen aus den verschneiten Wäldern Lapplands im hohen Norden Finnlands, doch ihre Musik und noch mehr die Geschichten, die Jaakko Laitinen und Harri Kuusijärvi vom finnischen Duo „Lehtojärven Hirvenpää“ am Montagabend im Trauzimmer der Marina erzählten, waren alles andere als unterkühlt. Ganz im Gegenteil.

In Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat Bergkamen hatte einmal mehr die Vorsitzende vom Bezirk der Deutsch-Finnischen Gesellschaft in Bochum-Witten, Elfi Heua, zu einem Abend mit traditioneller finnischer Musik ins Trauzimmer eingeladen.

„Nur mit dem Tango konnten wir Finnen über das reden, was wir vor den russischen und deutschen Besatzern nicht aussprechen durften, denn nur mit unserem „Finnischen“ Tango können wir all unsere Gefühle ausdrücken, die es in der Einsamkeit Finnlands gibt“, antwortete und erzählte Sänger Jaakko Laitinen mit beeindruckender Bassstimme.

In seinem Repertoire hat das Duo „Lehtojärven Hirvenpää“ zugleich klassische Traditionals, wie auch moderne Eigenproduktionen.

Und was Jaakko Laitinen mit seinen Worten nicht auszudrücken vermochte, erzählte Harri Kuusijärvi mit den virtuosen Klängen auf seinem Knopfakkordeon und gelegentlich mit einem dezent-leisen „Whistling“.

Spätestens, als das Duo noch einige flotte „Humppas“, der finnischen Variante des Foxtrotts, anstimmte, kam bei so manchen ein unstillbares Verlangen auf. Und es wurde Zeit, die Stehtische im Trauzimmer beiseite zu räumen, damit die Tanzbegeisterten unter den Zuhörern nun endlich einen waschechten „Humppa“ auf’s Parkett legen konnten.

Mit Finnlands heimlicher Tango- Hymne „Satumaa“ endete das Konzert.

45 Jahre Bezirksgruppe Bochum-Witten

von Jürgen Mannherz

Wir haben am 13.Oktober 2019 Geburtstag gefeiert; unsere Gruppe ist 45 Jahre alt geworden.

In Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde Bochum-Nord fand die Feier in der Erlöserkirche Bochum-Hiltrop und dem dortigen Gemeindehaus statt. Die Kirche verfügt über eine 90jährige Faust-Orgel spätromantischer Disposition, sie wurde 2007 aufwändig restauriert unter Beibehaltung ihres spätromantischen Charakters. Unsere Vorsitzende Elfi Heua konnte Herrn Dr. Hans-Christian Tacke, den Organisten ihrer Heimatgemeinde Bergkamen gewinnen, der uns ein Programm mit überwiegend finnischen Komponisten präsentierte. Wir hörten Werke von Torsten Stenius, Heikki Klemetti, Oscar Pahlman, Frederik Isaksson, Selim Palmgren, Oskar Merikanto, Jean Sibelius, aber auch J.S.Bach und auch Nightwish (ein Arrangement von Dr. Tacke).

Zu Beginn begrüßte der Gemeindepfarrer Herr Sonneborn, die ca. 100 Gäste und betonte seine Freude, Gastgeber dieser Geburtstagsfeier zu sein. Der Organist gab eine kurze Erklärung der Orgel und der Stücke, die er spielte.

Im Anschluss lud die Vorsitzende ins Gemeindehaus zu Sekt und Kaffee ein; fleißige Finninnen hatten eine Menge Zimtschnecken und Karjalan piirakkat gebacken; etwa 50 Gäste griffen gerne zu.

Hier wurden Grußworte verlesen von Herrn Denis Radtke, Mitglied der europäischen Union und zuständig für das Ruhrgebiet. Michael Giesen von der Bezirksgruppe Düsseldorf war wegen Krankheit abwesend, grüßte und beglückwünschte uns aber schriftlich. Werner Partner sprach ein Grußwort und der Hausherr Pfarrer Sonneborn bot sein Haus für künftige Feiern der DFG an.

Erfreulich war, dass unter den Gästen auch junge Leute und Jugendliche waren. Wichtig waren für viele das Wiedersehen und die Gespräche mit Freunden, die man länger nicht gesehen hatte. So diente diese Geburtstagsfeier auch der Festigung der Beziehungen und dem Zusammenhalt in der DFG.

Bärenfestival 2019 in Ilomantsi

Ein Kulturereignis der ganz besonderen Art: Das Bärenfestival in Ilomantsi

von Beate Erwien-Schrotmann

An sieben verschiedenen Örtlichkeiten fand in diesem Jahr Mitte August das sechste Bärenfest statt.

Dass ausgerechnet Ilomantsi sich als Austragungsort etabliert hat, kommt nicht von ungefähr; denn Bärenbesuch ist in dieser kleinen Stadt nichts Ungewöhnliches. Bekannte, die in der Kommune Ilomantsi, jedoch im Nirgendwo, eine kleine Farm bewirtschaften, erzählten uns noch vor wenigen Tagen bei ihrem Besuch, dass sie häufig Bären zu Gesicht bekommen, weil sie am Rand der Felder stehen oder ihre großen Tatzen ihre Spuren hinterlassen haben. Auch ihre riesige Hinterlassenschaft ist nicht zu übersehen. „Im wilden Nordkarelien hat jeder Ort seine eigenen Bären“, meinte Pirjo.

Als wir am zweiten Tag des Wettbewerbs der Bärenbildhauermeisterschaft aus unserem Fahrzeug steigen, hörte sich die Geräuschkulisse an, als sei ein Hornissenschwarm in der Nähe. Zum Thema „GoBearGo“ liefen die Kettensägen, raspelten die Bohrer und Winkelschleifer, schurbelten die Schleifmaschinen, und so manches Werkzeug war aus alten Teilen zu neuer Anwendung umfunktioniert worden. Es flogen die Späne und so manchem Künstler rann vor Anstrengung der Schweiß von der Stirn. So ganz nebenbei spielte sich auch so manches Drama ab, wenn eine andere Kettensäge zum Einsatz kommen sollte und partout nicht mehr anspringen wollte.

Dies sind die Voraussetzungen zur Teilnahme: Die Skulptur muss aus dem vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Holzblock angefertigt werden. Die Teilnehmer dürfen ihrer Skulptur keine anderen Materialien hinzufügen oder die Oberfläche mit Farbe oder Schutzbehandlung versehen. Die Oberfläche kann vorsichtig mit einem Gasbrenner behandelt werden, die Verwendung eines offenen Feuers ist jedoch verboten. Die Wettkämpfer dürfen einmal vor Wettkampfbeginn den Holzblock wechseln. Die Teilnehmer müssen mindestens schnittfeste Hosen und Sicherheitsschuhe sowie Gehör- und Augenschutz tragen. Die Wettkämpfer müssen ihre eigene Sicherheitsausrüstung zum Wettkampfgelände mitbringen. Jeder Teilnehmer muss sicherstellen, dass er voll versichert ist. Die Bildhauer müssen sich verpflichten, Rücksicht zu nehmen auf die eigene Sicherheit, die anderer Konkurrenten und des Publikums.

Wie unterschiedlich jeder Künstler dann aus seinem dicken langen Baumstamm das Thema angeht, ist schon erstaunlich: Ein Bär auf einem Segway, zwei Künstler ließen den Bären surfen, einer ihn schaukeln, ein weiterer saß in einem Ruderboot, ein Bär spielte Akkordeon, zwei tanzende Bär, ein Bär mit Hockeyschläger, zwei Bären in inniger Umarmung, ein Bär auf der Pirsch, ein Dompteur auf zwei Bären reitend. Insgesamt wetteiferten mehr als 30 Teilnehmer um die ersten drei begehrten Plätze.

Bemerkenswert war für uns die riesige Altersspanne: der Jüngste war Anfang 20, der Älteste Mitte 70.

Zur gleichen Zeit fand entlang der „Hauptstraße“ das „Wild Food Festival“ statt. Hier hatten Privatleute die Chance, für zwei Tage in einem quasi Mini-Restaurant ihren eigenen Kreationen anzubieten. Wir aßen z.B. von einem Insel-Nachbarn des Koitere-Sees ein kleines „Potpourri“ aus einer köstlichen Fischsuppe, einer speziellen Scheibe Brot mit Zwiebel und Fisch aus dem See und Bärenfleisch in Tomatensoße.

So lernten wir auch weitläufige Nachbarn kennen. Es gab Stände mit finnischem Sekt aus Beeren, Erdbeeren oder Rhabarber. Imker und private Marmeladen-Produzenten boten ihre Produkte an, und besonders hübsch anzuschauen waren die Stände mit finnischen Beeren, essbaren Kräutern und speziellen Pilzen. Auch ein Koch-Wettbewerb, selbstverständlich nur mit Zutaten wie wilden Beeren, Kräutern, Pflanzen und Pilzen, fehlte nicht. Nachmittags bot ein ökumenischer Chor aus Lutheranern und Orthodoxen musikalische Untermalung. Auf dem Marktplatz wurden ferner handwerkliche Produkte angeboten, z.B. Körbe aus Birkenrinde, naturgefärbte Wolle und selbstgewebte Läufer. Es gab Workshops für Makramee und Weben sowie zum Thema Wildkräuter, natürlich mit Gang durch die Natur.

Es war uns eine Freude, viele unterschiedliche Künstler bei der Erschaffung ihres Werkes über einen ganzen Tag mit zu erleben, Freunde und Bekannte zu treffen und Gespräche mit Unbekannten zu führen. Beim Lunch saßen wir im Café neben dem sympathischen „Künstler Nr. 3“, der uns erzählte, dass das Erschaffen solcher Kunstwerke sein Broterwerb ist. Er zieht mit einem Van und seinem erforderlichen Equipment durch Finnland, besucht ähnliche Veranstaltungen und kann vom Verkauf seiner Kunstwerke gut leben.

Das sind nun die Gewinner des Festivals: (diese Fotos wurden auf der Website veröffentlicht):

1. Platz: Markku Tuominen, Nurmijärvi

2. Platz: Igor Kyllinen, Oulu

3. Platz: Erkki Rytkönen, Iisalmi

Übrigens gab es im typisch karelischen Restaurant Parppeinpirtti zur Feier des Tages ein Bärenbankett mit musikalischer Untermalung und landestypischen Darbietungen. Das Bankett sollte etwas für harte Männer und dicke Brieftaschen sein.

Bei diesem Fest hatte jeder Besucher eine gute Gelegenheit, karelische Lebensart und die Mentalität der Nordkarelier kennenzulernen: Naturverbundenheit, das Sammeln von Beeren und Pilzen, die Vorliebe für die Jagd und die Leidenschaft für das Fischen, die Freude an der Kommunikation.

Tyrjänsaari, 19.08.2019

Seniorenaustausch – warum nicht?

Ende Januar erreiche mich eine Mail von Paula Schuth, SSYL. Eine finnische Rentnerin suchte eine Möglichkeit, Zeit in einer deutschen Familie zu verbringen, um ihre Deutschkenntnisse aufzufrischen. Seit über 15 Jahren suche ich Gastfamilien für finnische Gastschüler in Nordrhein Westfalen (Programm von SSYL und DFG).  Zusätzlich einen Seniorenaustausch anzustreben hatte ich schon länger im Sinn. 

Wir, Achim und Christa, sind ein Ehepaar (75 und 72 Jahre alt) und unsere Kinder sind schon länger aus dem Haus. Platz haben wir genug und wir haben Pirjo spontan zu uns ins Bergische Land eingeladen.

Mehrere Mails gingen hin und her. Dann kam Pirjo Mitte März für 10 Tage zu uns. Es war eine schöne Zeit. Pirjo spricht sehr gut Deutsch und wir mussten nur selten ein Wörterbuch zu Hilfe nehmen. Leider hat das Wetter nicht mitgespielt, es hat fast nur geregnet. Wir hätten Pirjo gerne mehr vom Bergischen Land gezeigt. So hat sie nur den Altenberger Dom, die Altstadt  Lennep, die Wuppertalsperre, Schloß Burg, die Müngstener Brücke und Wuppertal gesehen. Dafür habe ich aber von ihr gelernt, wie man Korvapuusti und Karjalanpiirakka backt.

Sommer – Sonne – Juhannus

Sonne, Wasser, gute Laune

von Madrisa Cleff

Mit diesen Worten lässt sich das diesjährige Juhannusfest an der Ruhr am Freitag, den 21.6.2019 umschreiben. Ja, was hatten wir auch in diesem Jahr wieder für ein Glück mit dem Wetter! Es war nicht zu kalt, nicht zu heiß, die Jacken mussten frühestens in der Dämmerung angezogen werden. Die Sonne schien vom blauen Himmel, der mit kleinen weißen Schönwetterwolken dekoriert war.
Um 17 Uhr ging es auf der großen Wiesen neben dem „Königlichen Schleusenwärterhaus“ los. Am Begrüßungsstand bekam man sowohl das Programm, als auch die Bändchen für die Schiffsfahrt. Und die ersten Blumenkränze wurden geflochten und schmückten für den Rest des Abends so manches weibliche Haupt. An den Tischen unter den Platanen hatten sich viele DFGler eingefunden und unter sie mischte sich das Laufpublikum, was hier eher ein Fahrpublikum war, da viele Menschen das schöne Wetter für eine Fahrradtour nutzen und am Schleusenwärterhaus eine Pause einlegten. Sie alle kamen in den Genuss der Begrüßung durch die DFG und dann trat tatsächlich Klein-My vor die Bühne! Besuch aus dem Mumintal bei unserem Juhannusfest! Und Klein-My wurde dann auch gleich interviewt und berichtet, wo sie denn eigentlich herkam. Ein lustiges Gespräch war die Folge! Danke an Maren und Madrisa!
Nach dem Interview durfte sich nicht nur Klein-My an Flammlachs, Würstchen, Flammkuchen und Pommes laben, die von der Wabe Witten angeboten und verkauft wurden.

 

Wer genug gegessen hatte, konnte die Kalorien bei einer Tanzstunde mit Sirkka wieder abtrainieren (Danke Sirkka, das Du jedes Jahr die Tanzlehrerin bist!). Genussvoll konnte man auch den Akkordeonklängen lauschen, die von der Bühne herunterschallten oder der Tanzgruppe Finnlore zusehen. Auch eine Runde Mölkky wurde gespielt (Danke Peter, für Deinen Einsatz!) und so flogen die Hölzer auch in diesem Jahr wieder über die Wiese. Langeweile konnte da nicht aufkommen. Zumal man viele bekannte Gesichter in der Menge sah und mal hier, mal dort mit jemandem zu einem kleinen Plausch stand.

 

Um 19 Uhr stach dann die „Schwalbe II“ voll beladen in See. Oder besser, Komma in die Ruhr und dann in den Kemnader See. Vorbei ging die Fahrt an traumhaft schönen Uferstreifen und vielen Wasservögeln. Ein Quiz über Finnland ließ an Bord die Köpfe rauchen: Was heißt Heinäkuu wörtlich übersetzt? In welchem Jahr ist Finnland UNO-Mitglied geworden? Welcher Finne überflog als erster in der Welt die 200m-Marke im Skispringen? Die Siegerin durfte sich über ein finnisches Kochbuch freuen. Wer wollte, konnte danach noch einige Lieder gemeinsam singen. Oder aber den Ruderern zusehen, die es tatsächlich für eine zeitlang schafften, mit uns Schritt zu halten.
Nach der wunderschönen Schiffsfahrt landeten wir wieder am Schleusenwärterhaus, wo noch die Band, die die Nicht-Schiffsfahrer unterhielt, die letzten Takte spielte.

 

Doch ein Highlight jagte das nächste. Kaum war es dunkel genug, trat der Jugendzirkus „Ratz Fatz“ aus Bochum mit einer Feuershow auf. Da wurde Feuer gewirbelt, geworfen, gedreht. Immer wieder neue Akteure traten auf die Wiese vor der Bühne, um ihr Können zu zeigen. Eine wunderbare und beeindruckende Show! Vielen Dank nach Bochum!
Zum guten Schluss durfte eine Sache nicht fehlen: Nachdem wir so viel Feuer gesehen hatten, wurde es endlich entzündet: Kokko! Unser Juhannusfeuer!

Doch auch der längste Tag des Jahres hat ein Ende und im Dunklen machten wir uns auf den Rückweg zur Straße und den Autos.
Vielen Dank an alle Beteiligten für dieses wieder mal wunderbare Fest! Und im nächsten Jahr denke ich auch an meine Gummistiefel für den Gummistiefelweitwurf-Wettbewerb!