100 Soziale Innovationen – 3. Hi-Tech

Im vorigen Beitrag gingen wir auf das Thema „Bildung“ ein.

Hier geht es um den Bereich, mit dem Finnland seit Jahren weltweit an der Spitze ist. Es ist das Thema Hi-Tech.

Viele kennen das Betriebssystem Linux, das in den 70er-Jahren von Linux Thorwald aus der Taufe gehoben wurde. Die Handys von Nokia waren einmal Marktführer, aber fast niemand weiß, dass auch die SMS in Finnland „erfunden“ wurde.

 

 

 

 

3. Hi-Tech

Das Betriebssystem Linux

1990 begann der 21-jährige Linus Thorwald damit, den Kern eines eigenen Betriebssystems zu entwickeln. Damals konnte er sich wohl kaum vorstellen, dass er damit unter anderem Microsoft, den größten Softwarehersteller der Welt, herausfordern würde.

Mit der Freigabe des Quellcodes war der Erfolg vorgezeichnet. Es gab ein riesiges Feedback, und bald arbeiteten Tausende von Entwicklern in 90 Ländern, freiwillig, unentgeltlich und vernetzt an diesem Projekt. Natürlich gibt es inzwischen auch Hersteller, die kommerzielle Software für Linux-Systeme verkaufen.

Dabei ist zu verstehen, dass das kein rein technisches, sondern vorwiegend auch soziales Projekt ist: Zum ersten Mal hat auf diese Weise eine demokratische Öffentlichkeit einen so großen Erfolg auf einem primär kommerziellen Feld erreicht.

In der kommerziellen Softwareentwicklung ist normalerweise der Quellcode als Betriebsgeheimnis geschützt. Anders bei Linux: Hier ist der Quellcode öffentlich zugänglich, und Tausende von Nutzern haben die Möglichkeit, jede Zeile zu überprüfen. Das ist die beste Qualitätsprüfung, die vorstellbar ist.

Anfang war das System noch etwas hakelig, und es war eher computeraffinen Personen vorbehalten, Linux erfolgreich zu nutzen. Aber inzwischen ist Linux „erwachsen“ geworden und verschiedene Zusammenstellungen („Distributionen“) werden weltweit erfolgreiche genutzt. Eine der erfolgreichsten und bedienerfreundlichen Distributionen ist Ubuntu oder von Ubuntu-Abkömmling Linux Mint. Diese und auch die vergangenen Ausgaben der LANDESNACHRICHTEN wurden übrigens auf einem Computer mit Linux Mint erstellt.

SMS

Schon früh konnten mobil bereits Textnachrichten über Pager verschickt werden, aber dazu mussten die Nutzer bei einem Operator anrufen und den Text diktieren. Eine Gruppe von Ingenieuren erkannte das Problem und machte sich daran, eine Lösung zu finden, die weniger umständlich war: So war es 1984 der Finne Matti Makkonen, der den Vorschlag machte, die beim Mobilfunknetz ungenutzten Kapazitäten zur geschützten Kommunikation zu nutzen. Im Jahr 1981 wurde eine Arbeitsgruppe von Ingenieuren aus den nordischen Ländern gegründet. In den Jahren 1982-1984 gab es dazu Konferenzen in Kopenhagen, dabei ging es unter anderem darum, wie die Tastatur eines kleinen Mobiltelefons für die Erstellung von Texten genutzt werden konnte – und es gab etliche systemtheoretische Probleme zu lösen. Niemand konnte sich damals vorstellen, welche Auswirkungen diese neue Technologie weltweit haben würde.

Die erste Version des endgültigen Standards wurde Anfang 1989 verabschiedet. Der ursprüngliche Konzeptvorschlag für einen Short Message Service (SMS) wurde 1984 erarbeitet und im Februar 1985 in die GSM-Standardisierung eingebracht. Von 1990 bis 2009 wurde der SMS-Standard weiterentwickelt.

Am 3. Dezember 1992 schickte der Ingenieur Neil Papworth die erste Kurzmitteilung des Short Message Service (mit dem Text »Merry Christmas«) von einem PC an ein Mobiltelefon im britischen Vodafone-Netz.

Inzwischen haben andere Kurznachrichtendienste SMS weitgehend abgelöst, so zum Beispiel WhatsApp, das in Estland entwickelt und inzwischen an Microsoft verkauft wurde. Ein Schweizer Startup entwickelte Threema, das vor allem auf Datenschutz großen Wert legt.

IRC (Internet Relay Chat)

Auch diese Chat-Software wurde in Finnland entwickelt, es entstand 1988 am Institut für Datenverarbeitung an der Universität Oulu, und zwar als Gruppenchat erst mal lokal (vergleichbar mit den Anfängen von Facebook) für die Universität Oulu. Das IRC verbreitete sich in Finnland an den Universitäten sehr schnell, allerdings war es an einigen Universitäten auch verboten, weil die Nutzer die Terminals teils stundenlang blockierten. Es war vor allem unter Computerfreaks beliebt, wurde aber inzwischen von anderen, komfortableren Produkten verdrängt, erfreut sich aber unter Eingeweihten immer noch größer Beliebtheit. Immerhin gibt es Hunderte von lokalen und weltweiten Netzen, und Millionen von Menschen nehmen immer noch an IRC teil.

IRC hat auch weltweit das Leben vieler Menschen beeinflusst. Viele haben über IRC einen neuen Lebenspartner gefunden. 1991 haben Bürger aus Israel und anderen Ländern mit IRC über den Golfkrieg berichtet.

Molotowcocktail

Wenige Wochen vor Ausbruch des Winterkriegs 1939 bestellte die finnische Armee beim staatlichen Alkoholkonzern ALKO leere Flaschen. Auf die Frage, wozu man die Flaschen benötigte, erklärte man, sie würden für die Herstellung von Brandflaschen benötigt, weil diese die einzige wirksame Abwehrwaffe gegen Panzer seien. Allerdings sei die Befüllung recht schwierig.

Was half, war die Tatsache, dass die Abfüllanlagen von ALKO praktisch ungenutzt waren: Der Alkoholverlauf war zum Erliegen gekommen, die Männer waren an der Front. Und so kam man auf die Idee, die Brandflaschen im ALKO-Werk Rajamäki zu befüllen. Als Bezeichnung diente der Name des damaligen Außenministers der Sowjetunion, Molotow. Die Füllung bestand aus einer Mischung von Alkohol (Spiritus), Benzin, Petroleum und Teer. Die passenden Zündhölzer, sog. Sturmhölzer wurden geliefert von fünf Streichholzfabriken, unter anderem der Fabrik in Pori.

Auf diese Weise wurde das Fehlen von wirksamer Panzerabwehrartillerie kompensiert. Die Brandflaschen wurden noch weiter verbessert, Während des Krieges wurde so die Hälfte der Panzer zerstört.

Insgesamt wurden 542.194 Brandflaschen hergestellt, von 80 Frauen und 5 Männern Als Konsequenz wurde die Fabrik in Rajamäki bombardiert.Die erste Brandflaschen wurde nämlich mit Korken verschlossen, mit der Aufschrift „Alko – Rajamäki“. Danach wurde auf die Aufschrift verzichtet.

 

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